DAS PROBLEM

Erstickende Ökosysteme – ein weltweites Problem

mit Folgen für Wirtschaft, Mensch und Natur

Erstickenden Ökosysteme sind Warnsignale eines überlasteten Planeten.

Wirtschaftlich bedeutet das: steigende Kosten für Reinigung, Gesundheitsvorsorge und Einbußen in zentralen Sektoren wie Tourismus und Fischerei. Ökologisch drohen langfristige Kipppunkte in Gewässern, deren Selbstreinigungskräfte versagen.

Giftige Blaualgenblüten (Cyanobakterien) treten vor allem in stehenden oder wärmer werdenden Gewässern auf, in denen übermäßige Nährstoffe, insbesondere Phosphate und Nitrate, aus Landwirtschaft und Abwasser Zuflucht finden. Sie bilden dichte Teppiche an der Wasseroberfläche, die Sonnenlicht und Sauerstoffzufuhr blockieren. Dadurch sterben Fische, Pflanzen und Kleintiere ab – Ökosysteme „ersticken“. Manche Arten produzieren zudem gefährliche Toxine, die Leber, Nerven und Haut von Mensch und Tier schädigen können.

Giftige Blaualgenblüten:

Die sogenannte Rote Flut erstickt Ökosysteme, zerstört die Natur und beeinträchtigT ganze Wirtschaftszweige.

Explodierende
Blaualgenblüten

Giftige Blaualgenblüten können Toxine produzieren, die beim Baden, Trinken oder Einatmen gesundheitss- chädlich wirken – etwa Hautreizungen, Übelkeit oder Leberschäden. Zudem belasten sie Gewässerökosys- teme, dadurch entstehen wirtschaftliche Schäden, etwa durch Badeverbote, Fischsterben und Einbußen im Tourismus.

Neben den ökologischen Schäden führen Sperrungen von Badeseen, Trinkwasser-Problemen und Fischsterben zu wirtschaftlichen Verlusten im Tourismus und in der Fischerei.

Begünstigt durch Nährstoffeinträge aus Flüssen, Klimawandel und Meeresströmungen, bedecken Sargassum-Algen Strände und Mangrovenzonen. Beim Zersetzen verbrauchen sie Sauerstoff und setzen Schwefelwasserstoff frei – giftig für Meerestiere und übelriechend für Menschen. Küstenökosysteme verlieren Lebensräume und Biodiversität, während Tourismuseinnahmen und die lokale Fischerei massiv einbrechen.

Das Sargassum-Phänomen:

Gewaltige Teppiche brauner Algen treiben zunehmend an die Küsten der Karibik, Westafrika und Lateinamerikas.

Das Phänomen
Sargassum-Algen

Sargassum-Algen breiten sich massenhaft an Küsten aus und entziehen dem Wasser beim Zersetzen Sauerstoff. Dadurch sterben Fische, Korallen und andere Meerestiere, und ganze Küstenökosysteme werden geschädigt oder zerstört.

Eutrophierung von Flüssen und Seen in Deutschland

und die Notwendigkeit des Handelns

In Binnengewässern oder stark abgeschnürten Meeresteilen setzt die Eutrophierung ein, wenn das Wasser durch menschliche Einwirkung mit pflanzlichen Nährstoffen angereichert wird. Durch die andauernde Einleitung von Abwasser oder den Eintrag von Gülle und chemischen Düngemitteln von überdüngten Ackerflächen setzt die Eutrophierung ein. Es kommt u. a. in den Seen zu einer starken Algenentwicklung oder zur Verkrautung durch wild wuchernde Wasserpflanzen. Der Sauerstoffgehalt mit zunehmender Tiefe rapide ab. In den tieferen Regionen bilden sich lebensfeindliche Schwefelwasserstoffverbindungen und Faulschlämme. Das Wasser kann einen üblen Geruch annehmen und ungenießbar werden.

Der See „kippt“ schließlich. Viele Pflanzen und in der Folge der Nahrungskette auch tierische Seebewohner sterben ab.

Die Eutrophierung, besonders der vom Menschen verursachte beschleunigte Prozess, kann gebremst und sogar völlig unterbunden werden. Voraussetzung ist, dass der Nährstoffeintrag stark reduziert.

So erlangten durch entsprechende Maßnahmen beispielsweise mehrere stark eutrophierte Seen im Alpenvorland Deutschlands wieder ihre alte Wasserqualität. Dieser Prozess beanspruchte allerdings etliche Jahre und verursachte hohe Kosten. Durch den Zusammenbruch der Industrie und die Einschränkung der landwirtschaftlichen Produktion nach 1989 reduzierte sich die Abwassereinleitung und die Nährstoffzufuhr durch Düngung bei vielen Seen erheblich. Der Bau von Abwasserreinigungsanlagen verminderte die Nährstoffeinträge noch zusätzlich. Auch im Meer kann, wie beispielsweise in der Ostsee, eine übersteigerte Eutrophierung eintreten. Die Ostsee verfügt als Binnenmeer (intrakontinentales Mittelmeer) über nur schmale Verbindungen zum Weltmeer, weshalb kaum Wasseraustausch stattfinden kann. Die zuströmenden Flüsse sind z. T. sehr nährstoffbelastet, tragen folglich in die Ostsee übermäßig Pflanzennährstoffe ein. Deshalb ist die Ostsee auch ein stark eutrophiertes Binnenmeer.

“EUTROPHIERUNG”:

Stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „gut ernährt“ (eu = gut; trophein = nähren, ernähren)

Die Eutrophierung
wird zur Krankheit
von Binnenseen
und langsamen
Fließgewässern.

Eutrophierung und Risikofaktoren

Eutrophierung stellt eine der größten Umweltproblematiken in aquatischen Ökosystemen dar. Eine Überlastung mit Nährstoffen führt zu:

Ein zentraler, oft unterschätzter Faktor ist die interne Nährstoffbelastung aus den Sedimenten. Selbst nach Reduzierung der externen Nährstoffzufuhr können Phosphor und Stickstoff aus den Bodensedimenten freigesetzt werden und einen negativen ökologischen Kreislauf aufrechterhalten.

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